Künstlerisches Profil: 
Gisela Frese

Zwischen den Welten: 
Von der literarischen Dokumentation zur bildenden Kunst

Gisela Frese verkörpert eine Biografie, die tief in humanistischer Neugier und interkulturellem Dialog verwurzelt ist. Ihr Werk spannt einen weiten Bogen von der engagierten entwicklungspolitischen Literatur der 1980er und 90er Jahre bis hin zur zeitgenössischen Malerei und Kulturvermittlung in Bremen. Es ist ein Gesamtwerk der Kontraste: Hier die weitgereiste Entwicklungshelferin, die den Frauen im Jemen, in Simbabwe und im Oman eine Stimme gab; dort die lokale Künstlerin, die das kulturelle Leben in Bremen-Huchting mit prägt. Während ihre Bücher sozialkritisch, literarisch und dokumentarisch waren, zeigt sich ihre Malerei heute oft farbenfroh, abstrakt oder abstrahiert.

Die literarische Phase: Eine Stimme der Unsichtbaren

In ihrer frühen Schaffensphase widmete sich Frese der Aufarbeitung ihrer siebenjährigen Erfahrung als Lehrerin im Entwicklungsdienst. Mit scharfem Blick für soziale Geflechte und geschlechtsspezifische Strukturen veröffentlichte sie – neben zahlreichen Beiträgen für Bücher, Presse und Rundfunk – zwei bedeutende Werke im Rowohlt Verlag (rororo aktuell) und viele Artikel in weiteren Printmedien, die sie überregional bekannt machten:

„Ein Leben in der Unsichtbarkeit – Frauen im Jemen“ (1986): Eine eindringliche Studie über die verschlossene Welt jemenitischer Frauen. Durch ihre Arbeit und ihre Kenntnisse der arabischen Sprache erhielt sie einen seltenen, persönlichen Zugang zu einer Welt, die Außenstehenden meist verborgen bleibt.

„Frauen tragen schwer – Ein Leben in Zimbabwe“ (1991): In diesem Werk dokumentierte sie den Alltag zwischen Tradition und Aufbruch. Sie gab Frauen und Kindern aus Townships und ländlichen Gebieten eine Stimme, die im globalen Diskurs oft ungehört blieben.

Warum diese Bücher heute noch relevant sind:

Heute lesen sich diese Texte wie ethnologische Zeitkapseln. Die gestiegene Armut in Simbabwe festigt einschränkende Strukturen für Frauen und Mädchen. Besonders der Zugang zu den Lebenswelten im Jemen wäre aufgrund der aktuellen politischen Lage für westliche Autorinnen kaum noch in dieser Form möglich. Freses Bücher lesen sich wie Romane, getragen von einer Mischung aus empathischer Beobachtung und analytischer Klarheit – eine Fähigkeit, die später auch in ihre visuelle Kunst einfließen sollte.

Der Wandel: Kreativität als Brücke

Nach ihrer Rückkehr nach Bremen floss ihre Kreativität zunächst in den Bildungsbereich. Mehr als zwei Jahrzehnte unterrichtete sie bilingual an zwei  Brennpunkt Schulen und engagierte sich fünf Jahre im Team der Frauenbeauftragten für die Belange von Frauen an Bremer Schulen. Parallel dazu nutzte sie ihre Sprachkenntnisse, um Frauen des Arabischen Frauenbundes in Bremen, ehrenamtlich in Gesprächskreisen, bei der sprachlichen Integration und dem kulturellen Austausch zu unterstützen.

Mit dem Übergang in den Ruhestand verlagerte sich der Fokus endgültig auf die bildende Kunst. War die Sprache einst das Werkzeug, um soziale Realitäten zu beschreiben und zu verändern, dient die Malerei nun dazu, Stimmungen und visuelle Wahrnehmungen einzufangen.

Die Bildende Kunst: Farbe, Raum und Anmutung

Stil und Technik: Ihre Malerei bewegt sich überwiegend zwischen abstrahierenden und rein abstrakten Elementen. In teilweise großformatigen Werken bringt sie positive, lichtvolle Stimmungen zum Ausdruck. Dabei steht nicht die exakte Abbildung im Vordergrund, sondern die emotionale Wirkung von Farben und Formen.

Themen: Häufig thematisiert sie die Verbindung von Mensch und Raum. Es ist die Fortführung ihres lebenslangen Interesses an der Frage, wie die Umgebung – ob im Jemen oder in Bremen – den Menschen prägt. Ihre Stimmungsbilder sollen dem Betrachter ein „Fantasie anregendes Wohlbefinden“ schenken.

Kulturelles Engagement in Bremen Huchting

Heute wirkt sie in der Huchtinger Kunstszene. Als 1. Vorsitzende des Kunstvereins Huchting e.V. setzt sie sich leidenschaftlich für die Demokratisierung von Kunst ein. Ob durch die Organisation von Ausstellungen und Malgruppen oder die Nutzung ihres eigenen Gartens als Sommer-Atelier: Ihr Ziel ist es, Menschen zu motivieren, selbst zum Pinsel zu greifen und ihre kreativen Fähigkeiten zu entdecken.

„Kunst muss dort stattfinden, wo die Menschen leben.“

Dieses Motto lebt sie aktiv vor. Dabei ist ihr der Abbau von Barrieren wichtig: Kunst entsteht nicht nur in akademischen Kreisen, sondern auch durch Menschen jeden Bildungsstandes, wenn Möglichkeiten dazu geboten werden, Kunstwerke im eigenen Wohngebiet zu sehen und zu schaffen.

Ein roter Faden ist zudem ihre frühe Affinität zur digitalen Entwicklung. Schon in den 80er Jahren verwendete sie einen Laptop für ihre Manuskripte; später nutzte sie zu einer Zeit als dies noch nicht üblich war, digitale Medien verstärkt im Unterricht. Heute setzt sie digitale Werkzeuge u.a. für Skizzen und Entwürfe einiger ihrer Bilder, für die Öffentlichkeitsarbeit, Plakatgestaltung und Organisation des Kunstvereins ein.

Gisela Freses Wirken ist ein Appell, Wissen weiterzugeben und die eigenen Fähigkeiten in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen – eine Philosophie, die sie selbst mit Leben füllt.

(Text: gemini, ergänzt, berichtigt)

https://www.kunstverein-huchting.de/gisela-frese  zeigt weitere Bilder

©Gisela Frese - Urheberrecht. Alle Rechte vorbehalten.

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.